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Trauerarbeit

Kraft durch Trauern

Trauerarbeit ist keine konkrete „Arbeit“ wie Holzhacken. Trauerarbeit ist ein gewaltiges Seelenbeben, das zugelassen werden sollte.

Verluste begleiten unser Leben. Man muss Abschied nehmen von Eltern, Partnern und Freunden, von Ungeborenen, der Heimat oder der Arbeit. Obwohl Verluste unvermeidlich sind, erschüttern sie massiv das Selbst- und Weltverständnis.

Der Tod eines geliebten Menschen aber auch eines Tieres passiert „immer“ unerwartet und viel zu früh! Weil wir Menschen gelernt haben, den Gedanken an den Tod, der ja zum Leben gehört, erfolgreich zu verdrängen.

 

Der Abschied ist immer verbunden mit sich lösen und mit loslassen.

Das jedoch haben wir nie gelernt.

Was geschieht nun mit und in uns, wenn wir trauern?

 

Ich zitiere aus Verena Kast in ihrem Buch „Trauern“:

 

Was ist Trauer?

Trauer ist ein Gefühl, das zum Leben dazugehört, wie die Freude. Man könnte sie als Geschwisterpaar bezeichnen, nur ist die Freude die, die wir Menschen gerne annehmen, herbeisehnen.

Wir reagieren entweder mit Freude oder mit Trauer auf Ereignisse, die uns bewegen.

 

Trauer ist keine Krankheit, sondern der psychische Prozess nach einem Verlust. Die Schwere des Verlustes und des damit verbundene Gefühls der Trauer stellt sich für jeden anders dar, dennoch vergleichbar.

 

Wie stellt sich Trauer dar:
„Alles wird schwer, die Sonne scheint für mich nicht mehr, es belastet mich, wenn die Sonne scheint, denn in mir regnet es ohnedies die ganze Zeit, die Welt erscheint mir so dunkel, so schwarz, ich kann mich für nichts begeistern, es interessiert mich nichts mehr, ich bin froh, wenn jeder Tag zu Ende geht“, das sind einige Aussage trauernder Menschen, Menschen, die einen schweren Verlust erfahren haben. Das ist das Gefühl der Trauer.

Dass in diesem Gefühl eine enorme Kraft steckt, die es uns möglich macht, diese Lebensstrecke zu bewältigen, merken wir erst, wenn wir die Zeit der Trauer überstanden haben und am Ende dieses dunklen Tunnels wieder ein Sonnenstrahl erscheint.

Trauern ist ein wichtiger, psychohygienischer Prozess, selbst im Alltag gibt es immer wieder Situationen, die Anlass für Trauer sein können.

Je mehr Anlässe man unbetrauert verstreichen lässt, umso schwerer wird die Trauer empfunden, wenn man dann einen großen Verlust zu beklagen hat.

 

Kinder zum Beispiel trauern um ein Haustier oder eine Maus, die sie tot am Straßenrand finden, als Erwachsener sollte man sie darin unterstützen und ihre Trauer ernst nehmen, denn so kann das Trauern erlernt werden.

 

Allerdings muss sich die Person, die den Verlust zu verarbeiten hat, auf diesen Prozess der Trauer einlassen. Es handelt sich um einen Prozess, der mit Arbeit verbunden ist, nämlich der Trauerarbeit.

Freud, selbst Vater einer zu früh verstorbenen Tochter, bezeichnete die Trauerarbeit als Schwerarbeit der Seele.

 

Wie verläuft die Trauer?

Trauer verläuft üblicherweise in Phasen, die bei jedem Menschen verschieden lang dauern können.

 

Die Phase des Nicht-wahrhaben-Wollens:

Es handelt sich dabei um eine Phase der Starre. Tritt der Tod eines geliebten Menschen plötzlich und unerwartet ein, kann sie länger dauern. Es handelt sich dabei um einen Gefühlsschock und nicht um eine Gefühllosigkeit, der Körper schützt sich so vor der Überwältigung eines so starken Gefühls, mit dem er umgehen kann.

Phase der aufbrechenden Emotionen:

In dieser Phase brechen alle Emotionen über den Trauernden herein: Angst, Wut, Ruhelosigkeit, ein Schuldiger wird gesucht, der manchmal vorübergehend z.B. in den Ärzten gefunden wird, bevor der Trauernde es zulassen kann, seinen Zorn auch dem Verstorbenen gegenüber zu empfinden. Es ist auch die Phase der aufbrechenden Schuldgefühle, die Phase des sich ständig wechselnden Emotions-Chaos.

Phase des Suchens und Sich-Trennens:

In dieser Phase sucht der Trauernde manchmal ganz konkret den Verstorbenen, glaubt ihn in anderen Personen wieder gefunden zu haben, wenn es Ähnlichkeiten gibt, besucht Örtlichkeiten, die ihn an den Verstorbenen erinnern und wird jedes Mal wieder zurückgeworfen, wenn er bemerkt, dass der Verstorbene wirklich tot ist.

Die Phase des neuen Selbst- und Weltbezugs:

Der Verstorbene wird nun als innere Figur, als innerer Begleiter gesehen. Es ist die Phase, in der der Trauernde wieder selbstständiger wird, der Verlust wird akzeptiert, neue Lebensmuster treten in Erscheinung.

Es handelt sich dabei um einen langsamen Prozess des Integrierens des Toten in das neue Lebensgefüge.

(Zitatende)

© 2019 Darpan G. Singh